Grundlagen

 

1. Was ist ein schulinternes Curriculum
„Ein schulinternes Curriculum beantwortet die Frage: Was wird wann und in welcher Weise unterrichtet? Es beschreibt, mit welchen Inhalten und mit welchen Methoden der Lernprozess von den Lehrkräften organisiert werden soll. Damit wird es zu einem Instrument der Verständigung der Lehrkräfte untereinander und schafft einen gemeinsam getragenen Standard für die Gestaltung des Unterrichts.“
(Handreichung Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Okt. 2011, S.4)

Weiterhin gilt es als „Instrument der Verständigung …, das nur wirksam wird, wenn es Einfluss auf den Unterricht aller Beteiligten gewinnt. …(daher) ist der Prozess ebenso wichtig wie das Ergebnis. …“(ebd.)
„Idealtypisch macht ein schulinternes Curriculum Aussagen auf zwei unterschiedlichen Ebenen: Es trifft Aussagen zu Zielen und Leitideen der gesamten Schule … Es enthält Curricula für die einzelnen Fächer, Lernbereiche und Aufgabengebiete, die in der Fachgruppe gemeinsam erarbeitet und beschlossen worden sind.“  (ebd.).
Dieses schulinterne Curriculum führt die abgesprochenen pädagogischen Konzepte zusammen und konkretisiert die darin ausgedrückten pädagogischen Schwerpunkte in fachlichen Vereinbarungen sowie gemeinsam erarbeiteten Unterrichtsvorhaben und Lernarrangements.

2. Wozu dient das schulinterne Curriculum
Der Zweck eines schulinternen Curriculums muss es sein, Brücken zu bauen.
(siehe auch Bildungsserver berlin-brandenburg (Leitfaden))

Brücken zwischen dem, was Hamburger Schülerinnen und Schüler lernen sollen und dem, was die Kinder der Grundschule Ohrnsweg brauchen, um bestmöglich lernen zu können.
Brücken sollen auch zwischen den Vorstellungen einzelner Lehrkräfte über Lernwege und Material geschaffen werden. So kann verlässliches Planungshandeln möglich werden – und damit auch sinnvolles Zeitmanagement.
Schul- und Unterrichtsentwicklung muss ihre Dynamik immer wieder an die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Kinder und der Lehrkräfte, sowie den durch die Schulstruktur selbst gegebenen Bedingungen anpassen. Das schulinterne Curriculum wird damit zu einem Prozess – und „Prozess“ bedeutet „Voranschreiten“ – und enthält eine innewohnende Dynamik.
Und eine „eigene“ Dynamik darf sein und muss sein, damit dieses schulinterne Curriculum tatsächlich von der „Schulfamilie“ getragen wird und sie seinerseits trägt. Unabdingbar ist deshalb eine starke und enge Vernetzung der „Wichtigkeiten“ in den gemeinsam entwickelten Konzepten. So soll sich unsere Leitidee in jedem der Konzepte wiederfinden und in den jeweiligen Bereichen konkretisiert werden. Daran arbeiten wir – sowohl auf der theoretischen Grundlage des Kompetenzmodells als auch in der Berücksichtigung der Heterogenität unserer Schülerschaft bei der Planung der Lernarrangements und der dafür ausgewählten Methoden. So geht es um Individualisierung in den 2x jährlich stattfindenden Lernentwicklungsgesprächen zwischen Lehrern, Eltern und Schülern und immer wieder um Kooperation beim gemeinsamen Lernen in der Gruppe.

3. Unsere Grundlage – das Kompetenzquadrat
Der Kompetenzbegriff, auf den wir uns beziehen (siehe Chr. Roggatz in „Hamburg macht Schule“, 2009,2), basiert auf dem Zusammenspiel von vier Kompetenzbereichen, die im Unterricht entwickelt werden sollen.

Kompetenzquadrat

Sachkompetenz1
bzw inhaltsbezogene
Kompetennz
Selbstkompetenz2
bzw.
personelle
Kompetenz
Methodenkompetenz3 bzw. prozess- bezogene Kompetenz Sozialkompetenz4 bzw. soziale Kompetenz

nach Bruder/Leuders/Büchter, fachliche und überfachliche
Kompetenzen S. 13 f. und IQSH »Lernkompetenz« S. 2


1Sachkompetenz
„Sachkompetenz allgemein gefasst beinhaltet das

  • Erfassen und Erkennen von Sachverhalten, Regeln und Begriffen,
  • Verstehen von Argumenten und Erklärungen,
  • korrekte Verwenden von Fachsprache und spezifischen Darstellungen,
  • Bewerten von Zusammenhängen,
  • Übertragen und Anwenden von Fakten, Regeln und Begriffen.

Hierbei stehen die Befähigung zur Bewältigung von Aufgaben, d.h. das Nutzen und Kombinieren der Kenntnisse und Fähigkeiten, im Zentrum. Zusammen mit den prozessbezogenen Kompetenzen bilden sie die fachbezogene Seite des Quadrats.“ Ebd. Zusammengefasst aus Seite 13 – 15

2Selbstkompetenz
„Im Gegensatz zur eher handwerklichen Ebene der Methodenkompetenz stehen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Haltungen, die den Prozess des selbstständigen Lernens unterstützen, im Mittelpunkt. […] Auch das Vermögen, eine individuelle Beziehung zum Inhalt aufzubauen, die eigene Motivation aufrechtzuerhalten sowie mit Misserfolgen umzugehen, gehört zur Selbstkompetenz.“ Ebd.

3Methodenkompetenz
„Prozessbezogene Kompetenzen meint Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für das Handeln im Fach und die Art zu denken zentral sind. Für Mathematik gehören hierzu beispielsweise, dass man

  • in unbekannten Situationen strategisch, reflektierend arbeiten kann (Problemlösen),
  • die Wirklichkeit mit Mathematik erfassen kann (Modellieren),
  • mathematisch argumentieren, d.h. begründen und beweisen kann,
  • über Mathematik sprechen und Ergebnisse präsentieren kann. […]

Die genannten Kompetenzen sind zum einen fachspezifisch, zum anderen aber auch fächerübergreifend. Diese übergreifende Bedeutung umfasst der Begriff Methodenkompetenz, der vor allem den Aufbau und die Automatisierung von Grundfertigkeiten und Verfahrensweisen beinhaltet. Methoden, die einem helfen, Informationen zu erfassen, zu strukturieren und zu behalten, gehören ebenso dazu wie Planungsmethoden, Problemlösestrategien und Präsentationsmethoden.“ Ebd.

4Sozialkompetenz
„Hierunter fallen u. a. die Bereitschaft und Fähigkeit, andere wahrzunehmen, auf sie einzugehen, konstruktiv im Team zu arbeiten, mit Konflikten angemessen umgehen zu können, Verantwortung zu übernehmen, im Gespräch einander zuzuhören und diese Gespräche selbst leiten zu können.“ Ebd.


Unterricht soll immer diese vier Bereiche im Blick haben.
Bei den jährlich stattfindenden kollegialen Hospitationen wird dem Rechnung getragen, indem der Unterricht im Hinblick auf diese Kompetenzbereiche beobachtet werden soll. Gleichzeitig werden auch die eingesetzten Kooperativen Lernformen diskutiert, so dass die getroffenen Vereinbarungen im Unterricht sichtbar werden.

1 Überfachliche Kompetenzen
Von den in den Bildungsplänen genannten überfachlichen Kompetenzen hat das Kollegium der Grundschule Ohrnsweg die drei folgenden Kompetenzbereiche ausgewählt, für die Unterrichtseinheiten, bzw. Absprachen verbindlich durchgeführt werden.

1 Anwendung von Lernstrategien
Die Kompetenz „Anwendung von Lernstrategien“ wird durch folgende Strategie konkretisiert:

  • Selbstständig arbeiten
  • Auswendig lernen
  • Heft- und Mappenführung
  • Mindmap erstellen und nutzen

Für diese Teilkompetenzen stehen für jeden Jahrgang Lernarrangements bereit, die gezielt aufeinander aufbauen.
Die hierzu entwickelten Unterrichtsvorhaben werden nach der Durchführung evaluiert, um sie anschließend dem Kollegium wieder zur Verfügung zu stellen.

2 Selbstständiges Umsetzen von Arbeitsaufträgen
Diese Teilkompetenz hat sowohl ein methodisches Ziel, fördert aber ebenso die Selbstkompetenz und dient damit auch der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler. Bei der Gestaltung von Arbeitsblättern werden einheitliche Symbole für diverse Arbeitsaufträge benutzt. Das gemeinsam entwickelte Material zur Übung von Selbstständigkeit steht auf der passwortgeschützten Homepage zur Verfügung.

3 Reflexion und Präsentation
In jeder Klasse ist ein Karteikasten vorhanden, der eine Vielzahl der im Kollegium eingeführten Möglichkeiten zur Reflexion und Präsentation von Arbeitsergebnissen enthält.

2 Fachliche Kompetenzen
Die fachlichen Kompetenzen, die in den einzelnen Jahrgangsstufen gefördert werden sollen, werden auf den regelmäßig stattfindenden Fachkonferenzen ausgewählt.
Dazu werden gemeinsam Lernarrangements entwickelt, die in den Jahrgängen verpflichtend durchgeführt werden. Es wird darauf geachtet, dass die Lernarrangements wo immer es möglich ist aufeinander aufbauen. Die Kompetenzen, zu denen bisher Lernarrangements erarbeitet wurden, werden in den einzelnen Fächern benannt.

3 Methodenkompetenzen
Die oben angegebene Methodenkompetenz wird an der Grundschule Ohrnsweg in Kooperativen Lernformen konkretisiert, um der heterogenen Schülerschaft Rechnung zu tragen. Im Schulprogramm finden sich die genauen Vereinbarungen für die Durchführung Kooperativer Lernformen und ihre Zuordnung zu den einzelnen Jahrgängen.

4 Selbst-Kompetenzen
Die Entwicklung von Selbstkompetenz wird in Phasen der freien Arbeit angestrebt.
So werden fest installierte Zeiten – die für den Ganztagsbetrieb noch weiter diskutiert werden müssen – dafür genutzt, basale Schlüsselqualifikationen wie Selbstorganisation, selbstständiges Arbeiten, Ziele setzen, zielstrebiges Arbeiten usw. anzubahnen. Während der Lernentwicklungsgespräche werden zwischen den Kindern, Lehrern und Eltern individuelle Lernziele abgesprochen, die die Schülerinnen und Schüler in selbstgewählten Themen umsetzen.
Diese Vereinbarungen werden protokolliert und sind Grundlage für weitere Gespräche zur Lernentwicklung. Besondere Leistungen werden im Portfolio-Ordner benannt und/oder dokumentiert.

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