Konzept zur Gewaltprävention

 

Arbeit und SüßesDie Bedeutung von Gewalt im Allgemeinen

Was ist Gewalt?
Wenn man das Wort Gewalt hört, denkt man im Kontext der Schule zuerst oft an das Schlagen oder Treten zwischen zwei Mitschülern. Der Begriff der Gewalt umfasst jedoch einen viel größeren Bereich. Die WHO definierte 2002 Gewalt folgendermaßen:
Gewalt ist eine angedrohte oder ausgeführte absichtliche Anwendung physischer Kraft und Stärke gegen sich selbst, eine andere Person oder eine Gruppe oder Gemeinschaft, die entweder mit großer Wahrscheinlichkeit oder tatsächlich zu Verletzung, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklungen oder Verlust führt.
Somit fängt gewalttätiges Handeln viel früher an und beinhaltet auch sowohl Beschimpfen und Drohen, als auch Ärgern, Mobben, Stehlen, Sachbeschädigung und vieles mehr. Da Konflikte und Gewaltsituationen oft sehr emotionale Auseinandersetzungen sind, in denen negative Gefühle zum Durchbruch kommen, sollte man versuchen der Gewalt zuvorzukommen. Eine moderne verantwortungsvolle Schule muss ihre Schülerinnen und Schüler schützen und Gewalt verhindern, am besten bevor sie entsteht.

Die Bedeutung von Gewalt an der Grundschule Ohrnsweg
Gewalt gehört zur Lebenswelt der Kinder. Somit hat jede Schule mit Gewalt zu tun.

  • Diese lässt sich wie folgt einteilen:
  • Körperliche Gewalt (schlagen, treten, …)
  • Verbale Gewalt (beschimpfen, beleidigen, …)
  • Psychische Gewalt (drohen, mobben, …)
  • Gewalt gegen Gegenstände (Dinge klauen, verstecken, zerstören, …)

Obwohl es an der Grundschule Ohrnsweg keine beunruhigenden Gewaltvorfälle gibt, soll schon auf erste Formen von Gewalt reagiert und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, um diesen Zustand auch langfristig zu sichern.
Als besonders störend empfinden die Kolleginnen und Kollegen körperliche Gewalt (schlagen/schubsen/treten) und verbale Gewalt (beleidigen).
Wir möchten unseren Kindern rechtzeitig sozial-emotionale Kompetenzen vermitteln und sie damit positiv in ihrer Lebensbewältigung unterstützen.

Die Bedeutung von Gewaltprävention für den individuellen Schüler
Die meisten Auseinandersetzungen im Schulalltag beginnen mit Wortgefechten, Beleidigungen und Bedrohungen. Wenn niemand eingreift, gehen diese im Laufe einer Eskalation in Tätlichkeiten über. Die Schülerinnen und Schüler brauchen Maßnahmen, die sie befähigen, ihre Probleme, ihre Unsicherheiten und Proteste so auszudrücken, dass anderen und ihnen selbst kein Schaden zugefügt wird.
Für ein konstruktives Verhalten in Konflikten ist es wichtig, eigene und fremde Gefühle richtig zu erkennen, zu bewerten und mit ihnen umgehen zu können.

Gewaltpräventive Maßnahmen sollen die Schülerinnen und Schüler stärken, damit sie Gefühle ernst nehmen, sie angemessen ausdrücken können und angemessen auf eigene und fremde Gefühle reagieren. Schülerinnen und Schüler müssen umsetzbare Lösungsstrategien für Konfliktsituationen entwickeln, die sie ausprobieren und in ihr tägliches Handlungsrepertoire übernehmen können. Deshalb setzt sich ein gutes Gewaltpräventionsprogramm aus diesen Punkten zusammen:

  • Empathie fördern
  • mit Aggressionen umgehen können
  • Möglichkeiten der Kommunikation einüben
  • Handlungsstrategien entwickeln und üben.

1. Das Konzept Klassenrat
Im Klassenrat bespricht eine Klasse selbstständig unter Einhaltung vereinbarter Verhaltens- und Gesprächsregeln ihre aktuellen Interessen und Probleme. Die Themen gehen vom Streit mit dem Nachbarn, über Wünsche an die Lehrer oder die Klassen, bis zu Freundschaftsbekundungen oder Lob für gute Leistungen oder vorbildliches Benehmen. Der Klassenrat ist ein Instrument, um demokratisches Handeln ab der Vorschule einzuüben. Alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse nehmen am Klassenrat gleichberechtigt teil und lernen so Selbstbestimmung.
Der Klassenrat wird in den ersten Jahrgängen unter der Leitung eines Lehrers eingeführt. Die Schüler lernen durch sein Vorbild wie eine Klassenratssitzung durchgeführt wird. Ab der zweiten Klasse werden die Schüler zunehmend befähigt, die Leitung des Klassenrats selbst zu übernehmen. Die Entscheidung, ob die Schüler die Leitung des Klassenrats übernehmen, obliegt der zuständigen Lehrkraft.
In der Vorschule werden die Kinder schrittweise an die Struktur des Klassenrates herangeführt. In regelmäßigen gemeinsamen Pausenreflexionen beginnen die Kinder ihren Ärger und ihre Wünsche in Worte zu fassen und sich in die Gefühle ihre Klassenkameraden hineinzuversetzen.

2. Das Konzept „Faustlos“
„Faustlos“ ist ein für Schulen und Kindergärten entwickeltes Curriculum zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und zur Prävention von aggressivem Verhalten.
Zur individuellen Entwicklung jedes Kindes gehören neben der Förderung der kognitiven Kompetenzen (wie Lesen, Schreiben, Rechnen) auch die emotionalen und sozialen Kompetenzen jedes Kindes. Mit Hilfe des „Faustlos“-Konzepts soll versucht werden, die Schülerinnen und Schüler so früh wie möglich mit gewaltfreien Konfliktlösungsstrategien vertraut zu machen, ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu stärken und ein demokratisches Klima herzustellen, das die Gewaltbereitschaft reduziert.
Die einzelnen Lektionen des „Faustlos“-Curriculums vermitteln auf altersentsprechende Weise sozial-emotionale Kompetenzen in drei aufeinander aufbauenden Schritten:

  • Empathieförderung
    In einem ersten Schritt schulen die Schülerinnen und Schüler ihre emotionale Kompetenz, indem sie im Unterrichtsgespräch und im Rollenspiel Gefühle bei sich und anderen differenziert wahrnehmen, benennen und einschätzen lernen. Auch die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit hat in diesemZusammenhang eine hervorragende Bedeutung.
  • Impulskontrolle
    Im zweiten Schritt sollen impulsives und aggressives Verhalten reduziert werden. Kleinschrittig werden soziale Kompetenzen geübt (z.B. „bei etwas mitmachen“, „Störungen ignorieren“, „höfliches Unterbrechen“, „dem Impuls zu lügen widerstehen“) und eine klare Problemlösungsstrategie trainiert.
  • Umgang mit Ärger und Wut
    Im dritten Schritt werden Ursachen des Ärgers konstruktiv angegangen. Als Verhaltenssteuerung dient das laute Denken und das Selbstgespräch, aggressives Verhalten soll so verhindert werden.

Nach unseren Erfahrungen als Integrative Regelschule ist wichtig, dass sich „Faustlos“ an alle Kinder einer Klasse richtet, so dass potentielle Täter und Opfer davon profitieren können und niemand stigmatisiert wird, gemäß dem Leitbild unserer pädagogischen Arbeit:

Wir sind eine Schule, die jedem Kind Rechnung trägt.

Verknüpfung von „Faustlos“ und „Klassenrat“
Der Klassenrat schafft wichtige Grundlagen für die Einführung des „Faustlos“-Programms. Themen aus dem Klassenrat können im „Faustlos-Unterricht“ aufgegriffen und besprochen werden. Umgekehrt können die Kinder bei der Besprechung von Konfliktsituationen im Klassenrat immer wieder auf erlernte soziale Kompetenzen sowie Lösungsstrategien aus dem „Faustlos“-Curriculum zurückgreifen.
Unser Konzept für die Jahrgänge 0 bis 4 hat sich bewusst für zwei Formen gewaltpräventiver Arbeit entschieden: Der Klassenrat ermöglicht es, den Blick der Schülerinnen und Schüler immer wieder auf die Klassengemeinschaft zu lenken und Probleme einzelner werden mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft in Beziehung gesetzt.
Das „Faustlos“-Curriculum hat eher Verhaltensänderungen des Einzelnen und der Klassenrat die gesamte Klasse im Blick.

Die Umsetzung des Konzepts an der Grundschule Ohrnsweg

Organigramm

Begleitende Maßnahmen
Um die regelmäßige Durchführung des Klassenrats und des „Faustlos“-Curriculums zu unterstützen, haben wir uns für folgende Maßnahmen entschieden:

  • Die Eltern werden auf Elternabenden über das Gewaltpräventionskonzept informiert.
  • Eine Materialsammlung zu den Themen rund um Gewaltprävention und „Faustlos“ wird den Kollegen zur Verfügung gestellt.
  • Zur nachprüfbaren Dokumentation dient der Eintrag des „Faustlos“-Unterrichts und des Klassenrats in die Arbeitsberichte.

Zusätzlich wird in den Zeugnissen unter Arbeits- und Sozialverhalten die Teilnahme am Klassenrat und am „Faustlos“-Programm erwähnt.

Bezüge zum Unterrichtsalltag
Wir sind bestrebt, die Fächer und Lernfelder in thematischen Sinnzusammenhängen miteinander zu verknüpfen. Das „Faustlos“-Curriculum bietet viele Ansätze, Verbindungen zu anderen Fächern und zum Schulprogramm herzustellen.
Nachfolgend einige Beispiele:
Eine Verzahnung ergibt sich in Bezug auf die regelmäßige Arbeit mit unterschiedlichen Kooperativen Lernformen, die einen hohen Kommunikationsanteil der Kinder haben. Ziel, aber zugleich auch Bedingung des Kooperativen Lernens, sind soziale Kompetenzen. Sie sind Voraussetzungen für ein Gelingen der Kommunikation der Schülerinnen und Schüler untereinander, für die Verantwortungsübernahme jedes Einzelnen, für die Entscheidungsfindung, bei der alle einbezogen werden, und für die selbstständige Konfliktlösung, die immer wieder nötig ist, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
Die Kooperativen Lernformen sind fester Bestandteil des Unterrichts an der Grundschule Ohrnsweg.
Das „Faustlos“-Curriculum findet besonders durch das Verbalisieren von Handlungen und Gefühlen, das laute Planen von Lösungsstrategien und deren Erproben in Rollenspielen viele Bezüge zum Rahmenplan Deutsch und zu unserem Sprachförderkonzept, denn die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Sprachhandlungskompetenz.

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