Integrative Regelschule

 

SchnüreViele Jahre war die Grundschule Ohrnsweg eine Integrative Regelschule und bis einschließlich Schuljahr 2014 / 2015 gibt es Klassen, die unter dieser pädagogischen Idee geführt werden. Doch was war das Neue an diesem Gedanken?

Zu Beginn der 90er-Jahre wurde in Hamburg der „Schulversuch Integrative Regelklassen“ (IR) eingerichtet. Damit sollte die Aussonderung von Kindern in Sonderschulen während der Grundschulzeit vermieden werden. Dafür stehen den Integrativen Regelschulen neben der eigentlichen Grundversorgung durch Grundschullehrkräfte auch Sonderschullehrkräfte und ErzieherInnen zur Verfügung, um den besonderen Bedarfen einzelner Kinder gerecht werden zu können und sie so weit zu fördern, dass nach der Grundschulzeit eine Überweisung an eine Sonderschule vermieden werden kann. Alle Kinder eines Schuleinzugsbereiches können an einer IR-Schule angemeldet werden. Nur für Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung gibt es weiterhin spezielle Sonderschulen. Im Falle von Sprachbehinderungen wird nach dem individuell besten Förderort gesucht.

Auch wenn es nach vielen Jahren Schulversuch einen wissenschaftlichen Abschlussbericht gegeben hat, der von vielen als durchaus positiv bewertet wird, sind die Integrativen Regelklassen nicht aus dem Versuchsstatus entlassen worden – sie sind noch heute Schulversuchsschulen – allerdings als langsam auslaufende Modelle, denn der Gedanke der Integration wurde in der pädagogischen Diskussion durch den der Inklusion ersetzt.

Für unsere Schule haben die vielen Jahre gemeinsamer Arbeit verschiedener Professionen im Team große Früchte getragen. Nur selten müssen Kinder in die Klasse 5 der Förderschule überwiesen werden. Gleichzeitig veränderte sich der Unterricht: da viele verschiedene Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in einer Klasse gleichzeitig unterrichtet werden, ist eine innere Differenzierung (unterschiedliche Anforderungen) grundlegendes Unterrichtsprinzip. Trotzdem gibt es natürlich auch Phasen frontaler Unterrichtsgestaltung. Die Kinder einer Klasse arbeiten also gleichzeitig an verschiedenen Niveaustufen eines Inhalts. Somit sind sie aber auch nur bedingt vergleichbar – Noten haben deswegen an der Grundschule Ohrnsweg keinen Platz. Es ist wichtig, jedes Kind individuell so zu fördern und zu fordern, dass es so viel wie möglich lernt. So gibt es Kinder, die in der ersten Klasse bereits fließend Texte lesen und verstehen können und Kinder, die erst noch lernen, sich einfache Wörter zu erlesen weil die Buchstaben noch nicht sicher beherrscht werden oder die Synthese noch nicht vollzogen wird. Am Ende der Grundschulzeit können einige Kinder spielend die Anforderungen eines Gymnasiums erfüllen, andere haben Schwierigkeiten, das normierte Klassenziel zu erreichen. Wir glauben, dass alle Kinder davon profitieren, gemeinsam zu lernen.
Darum ist die Grundschule Ohrnsweg eine Schule für Alle!
Jedes Kind kann die gesamte Grundschulzeit in seiner Klasse verbleiben, auch wenn es das Klassenziel einmal nicht erreicht.

Gleichzeitig bekommen die Kinder (und natürlich auch die Eltern) durch die Grundschullehrer, Sonder- und Sozialpädagogen oder Erzieherinnen mehrere Ansprechpartner in einer Klasse. In Krankheitsfällen kann Vertretungsunterricht meist so organisiert werden, dass die Kinder von vertrauten Lehrkräften unterrichtet werden.

Alles in allem also viele sehr positive Aspekte eines Schulversuches, der unbedingt fortgesetzt werden sollte. Wir hoffen darauf, dass das IR-Prinzip irgendwann einmal zur Regel erhoben wird und alle Hamburger Grundschulen so arbeiten können.

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